Zweifach Premiere beim DRK-Kreisverband Wittlage - Pastorin Stefanie Sonnenburg und der DRK-Kreisvorsitzende aus Vechta, Alexander Bartz, halfen bei der Vorbereitung der „Wittlager Mahlzeit“
Vielfach werden die ehrenamtlich tätigen Mitbürger gelobt von Verantwortungsträgern. Selten bringen sich diese „Führungskräfte“ selbst ein – übernehmen die „gewöhnlich anfallenden“ Tätigkeiten. Jetzt aber die Ausnahme.
Am vergangenen Mittwoch gab es diese Mitwirkung der besonderen Art im DRK-Sozialzentrum in Wittlage, Lindenstraße 193. Der Reihe nach:
Um 7:45 Uhr traf Alexander Bartz in der DRK-Zentrale ein. Er war um etwa 7 Uhr in seiner Heimatstadt Vechta gestartet. Er ist im Landkreis Vechta seit einigen Jahren DRK-Kreisvorsitzender oder wie es satzungsmäßig heißt „DRK-Kreispräsident“. Nur am Rande erwähnt: Alexander Bartz kandidiert für das Amt des Landrates im Landkreis Osnabrück.
Es wird kurz vom DRK-Küchenchef Hermann Pannenborg das Menü des Tages besprochen. Jede Kraft im DRK-Küchenteam hat seine Aufgabe. Gekocht werden 150 Liter Eintopf, ein Dessert, abgefüllt in Schüsseln, dann Kaffee, Tafelwasser und Brot für alle Gäste der Wittlager Mahlzeit.
Die Premiere: Nie zuvor in den über fünf Jahren des Bestehens der Wittlager Mahlzeit hat ein auswärtiger DRK-Kreisvorsitzender von Anfang bis zum Ende mitgeholfen – Alexander, der als Team-Mitglied nur geduzt werden wollte, ist der allererste. Auch eher die Ausnahme: Bartz hat die Hygiene-Belehrung absolviert, zwar beim Landkreis Vechta – aber die wird auch in der Region Osnabrück akzeptiert.
Diesmal gab es Wirsing-Eintopf mit TK-Gemüse, das günstiger ist als Frischgemüse; dazu 40 kg Kartoffeln, die geschält erst geschält werden mussten.
Zwiebel schälen, dies überließ die DRK-Führungskraft an anderen DRK-Helferinnen am Arbeitstisch. Wer ist jetzt dieser Alexander Bartz, 41 Jahre, verheiratet und Vater von zwei Söhnen; er gehörte in der letzten verkürzten Legislatur dem Deutschen Bundestag an für die SPD-Fraktion, war Mitglied im Wirtschaftsausschuss und zählt sich zum Seeheimer-Kreis innerhalb der Partei. In allen großen Parteien gibt es Strömungen. Alexander hat ein duales Studium mit Abschluss als Diplom-Betriebswirt absolviert, war in der Geschäftsführung eines großen regionalen Reiseunternehmens tätig, jetzt selbstständig tätig als Wirtschaftsberater. Unabhängig von seinen politischen Ambitionen ist Alexander Bartz überzeugter DRK-Helfer; er nahm selbst und aktiv an Einsätzen und Übungen teil. Kameradschaft und Teamgeist, für ihn keine abstrakten Fremdworte. Der DRK-Kreisverband in Vechta ist sehr leistungsstark, jetzt beim Stoppelmarkt mit einem großen Festzelt vertreten. Alexander Bartz muss hier als Ehrenamtlicher selbst mit gutem Beispiel vorangehen – dazu ist er bereit aus Überzeugung.
Eine weitere Premiere: Pastorin Stefanie Sonnenburg hilft aktiv in DRK-Küche mit.
Schon viele Geistliche waren Gäste der Wittlager Mahlzeit, Pastoren und Pfarrer, Superintendenten, Regionalbischöfe – aber aktiv als „einfache“ Hilfskraft in der DRK-Großküche von Anfang an mitzuwirken, dies ist wohl erstmalig. Stefanie Sonnenborg war 20 Jahre Pastorin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in der Pfarrgemeinde Hannover-Nordstadt. Nach Eintritt des Ehemannes Andreas in den Ruhestand Zeit für einen Neuanfang. Seit 2025 betreut die Pastorin die Kirchengemeinde Bad Essen und die Vakanz für die Kirchengemeinde Barkhausen-Rabber, gemeinsam mit dem Lintorfer Pastor. Tochter Eva-Marie studiert an der Universität Bielefeld an der medizinischen Fakultät.
Stefanie Sonnenburg wollte einmal von Anfang an bei der „Wittlager Mahlzeit“ im Team des ökumenischen Arbeitskreises mitwirken. Dies setzte sie in die Tat um und sie lobte den guten Teamgeist der ehrenamtlichen Hilfskräfte, die sich Woche für Woche einbringen.
Das DRK-Team war derweil nicht untätig. Die gehackten Zwiebeln wurden angebraten, der Großkessel angeheizt und mit dem TK-Gemüse, Gemüsebrühe, später den kleingehackten Kartoffeln aufgefüllt und es köchelte bald – 150 Liter Eintopf. Eine wichtige Zutat: Rindfleisch, etliche Kilo, aufgeschnitten und dann durch den Fleischwolf gedreht. Vegetarischer Eintopf wird derzeit bei den Essensgästen nicht verlangt. Die DRK-Küche hat sich darauf eingestellt.
Nach dem Schnippeln wurden die langen Tischreihen eingedeckt. Und Alexander Bartz erfuhr von den Gästen Wünsche und Bedürfnisse für die Region Osnabrück. Eine medizinische Notfall-Ambulanz, die seit der Schließung des Krankenhauses Ostercappeln fehlt, wird von der überwiegenden Landbevölkerung dringend gewünscht. Dies ist kein Luxus. Rangiert womöglich noch vor dem Nahverkehr, der verbesserungsbedürftig ist, nach dem die Buslinie S 20 nur noch werktags eingeschränkt fährt.
Die Wittlager Mahlzeit wird finanziert durch die Spenden der Essensteilnehmer, bei der großen Hitze waren es noch über 100 Teilnehmer, dazu kommen noch viele Einwohner, die gegen eine Spende Essen für kranke Angehörige holen – alles nur soweit der Vorrat reicht.
Alexander Bartz war um 13.30 Uhr fertig mit seiner Arbeit, die er vollumfänglich erfüllt hatte; es war keine symbolhafte Mitwirkung. Danke dafür. Viele Gespräche fanden statt und Bartz hörte geduldig zu. Er dürfte die Erkenntnis mitnehmen, dass den Menschen vor Ort die fehlende Notaufnahme nach der Schließung des Krankenhauses Ostercappeln ein überragendes Anliegen ist. Ein weiterer Punkt wurde ihm angetragen: Wenige ältere Menschen sind digital nicht mehr erreichbar. Diese Personengruppe darf nicht weiter diskriminiert werden, dafür müssen die Rahmenbedingungen künftig verbessert werden.
Es war rundum ein erfreulicher Gedankenaustausch mit Pastorin Stefanie Sonnenburg und DRK-Kreisvorsitzendem Alexander Bartz aus Vechta bei der „Wittlager Mahlzeit“.
Text und Fotos: Eckhard Grönemeyer








