· Pressemitteilung

Einblicke und Eindrücke der Notaufnahme in der MHO-Klinik – der DRK-Rettungsdienst und ergänzend die freiwilligen DRK-Helfer als „Sanitäter vor Ort“ (SvO) leisten ihren Beitrag – doch wie steht es mit der „Notfall-Versorgung“ in der Klinik?

Die Notaufnahmen der Kliniken sind nicht Ersatz für den versäumten Hausarzt-Termin. An der Notaufnahme des Marienhospitals wird ausdrücklich auf den hausärztlichen Notdienst mit eigener Notruf-Nummer hingewiesen
Der Rettungsdienst schiebt die Krankentrage durch die breite Glastür, die auf Mitteilung geöffnet wird. Die Begleiter oder Patienten ohne Anmeldung müssen die Klingel der Anmeldung der ZNA (Zentrale Notaufnahme) betätigen
Am nächsten Morgen um 9 Uhr stehen 7 RTW vor der Notaufnahme, haben ihre Patienten der Notaufnahme übergeben. Ob hier schon wieder die „Belastungsgrenze“ erreicht ist?
Sieben RTW haben binnen kurzer Zeitspanne die beförderten Patienten der Notaufnahme übergeben
Vor der Notaufnahme werden die RTW nach der Patientenübergabe gesäubert und die Liegeflächen und alle Geräte desinfiziert
Die Zentrale-Notaufnahme oftmals an den Grenzen ihrer Kapazität? Die Rettungsdienste machen ihren Job und die Rettungskette endet für sie mit der Übergabe der Patienten an die Notaufnahme. Auch mit Taxen und Mietwagen sowie mit Privatfahrzeugen werden Patienten angefahren, die nicht auf den Liegend-Transport angewiesen sind, aber deutlich weniger als früher?
Im Wahlkampf wird von den meisten Parteien dem Wähler viel versprochen, entweder auf Kosten anderer oder ohnehin nicht realistisch
Die Parkgebühr auf dem Seitenstreifen je angefangene 10 Minuten 0,50 EUR, pro Stunde folglich 3,00 EUR – anfangs noch die Umrechnung in DM, als 6,00 DM Parkgebühr pro Stunde - der Vergleich „hingt“ – trotzdem, diese enormen Kostensteigerungen, hier im Zusammenhang mit einer medizinischen Dienstleistung – unangemessen?

Die Notaufnahme beim Krankenhaus Ostercappeln, einst im Nils-Stensen-Klinik-Verbund, gibt es seit einem Jahr nicht mehr. Dort soll es bis zu 20.000 Notfall-Versorgungen jährlich gegeben haben. Zur Notaufnahme in Ostercappeln wurden viele Patienten mit leichteren Verletzungen (Knochenbrüche, Verbrennungen im niedrigeren Bereich, Quetschungen, größere Platzwunden – im internistischen Bereich Patienten mit ungeklärten Schmerzen, mit Fiber oder Kreislaufbeschwerden) von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden gefahren und wieder abgeholt. Der hauptamtliche Rettungsdienst mit dem Rettungstransportwagen (RTW) und zusätzlich mit dem Notarzt-Einsatzfahrzeug wurde in der Regel nur zu schweren Fällen gerufen, dort wo höchste Lebensgefahr bestand und ein Liegend-Transport zwingend notwendig war. Die Rettungsleitstelle koordinierte die Einsätze. Kam ein Notruf mit größter Dringlichkeit rein, und konnte der RTW nicht innerhalb von 10 Minuten vor Ort sein, so wurde zusätzlich der ehrenamtlich und unentgeltlich tätigte Sanitäter vor Ort eingeschaltet. Der SvO führt in seinem privaten PKW einen Notfall-Einsatzkoffer mit; er kann bis zum Eintreffen des hauptamtlichen Rettungsdienstes lebenserhaltende Maßnahmen einleiten.

Die Notaufnahme beim ehemaligen Krankenhaus Ostercappeln gibt es heute nicht mehr. Die dort im jährlichen Durchschnitt versorgten 20.000 Notfälle müssen jetzt von den Notaufnahmen der anderen – weiter entfernt gelegenen Kliniken – mitversorgt werden, die dafür nicht aufgestockt wurden? Wie soll das gehen ohne Nachteil für die Opfer?

Als Patientenbegleiter auf der Notaufnahme-Station des MHO – Einblicke und Eindrücke:

Der Patient war mit einer Kreislaufschwäche in Melle-Buer in der St. Martini-Kirche zusammengebrochen. Über Notruf 112 wurde der Rettungsdienst verständigt; der RTW traf kaum 10 Minuten später vor Ort ein. Im RTW die notfallmäßige Versorgung und Überwachung. Aufgrund der Verdachts-Diagnose bekam die RTW-Besatzung des DRK-Rettungsdienstes den Auftrag, den Patienten zum MHO Osnabrück zu transportieren. Die Ehefrau durfte in der Rettungskabine mit angelegten Sicherheitsgurt mitfahren. Die Anfahrt mit Signal (Blaulicht, bei Bedarf Martinshorn). Etwa 25 Minuten für die 30 km lange Strecke, wegen einer Baustelle und Sperrung der Mindener Straße mit Umweg.

Die aufgenommenen Patientendaten und Parameter sowie die vorläufige Verdachtsdiagnose wird von der RTW-Besatzung der aufnehmenden Klinik online bei Abfahrt übermittelt. So können bei Ankunft die entsprechenden medizinischen Fachkräfte ohne Verzögerung die Patienten mit lebensbedrohlichen Befunden aufnehmen.

Als nachfolgender Begleiter erreicht man die Klinik deutlich später, weil es für den Privat-PKW natürlich keine Sonderrechte gibt.

Meist wird nach wenigen Minuten die Tür geöffnet und der Grund für den Einlass abgeklärt. Begleiter eingelieferter Patienten werden in der Regel eingelassen. Hier erfolgt durch die medizinische Fachkraft die Triage, wer von den Hilfesuchenden benötigt sofort medizinische Hilfe und wer kann warten. Die Begleiter finden auf dem Flur einen Stuhl als Sitzplatz oder sie warten stehend. Wahrscheinlich sehr oft: Auf dem Flur liegen auf Krankentragen Patienten, manche in Arbeitskleidung als Handwerker oder gewerbliche Arbeitnehmer erkennbar. Sie haben oft sichtbare Verletzungen, Schnitt- oder Brandwunden, notdürftig verbunden an der betrieblichen Unfallstelle. 

Die Mitarbeiter der Notaufnahme, Ärzte und Pflegekräfte, arbeiten scheinbar am Anschlag, viel mehr Patienten als in angemessener Zeit versorgt werden können. Die lebensbedrohlichen Fälle haben Vorrang, das Prinzip der Triage ist hier nachvollziehbar. Die vielen kleineren Fälle müssen warten, oft stundenlang.

Eine ältere Dame kommt an den Tresen und fragt die medizinischen Pflegekräfte hinter ihren Computern, wann sie „drankomme, sie warte jetzt schon über vier Stunden“ – die Antwort, sie müsse noch weiter warten. Irgendwann hat auch jeder Patient Hunger und Durst, ist müde – hier keine Kategorie, wenn das System überlastet ist. Ob die Extremhitze die Zahl der Notfall-Patienten mit Herz- Kreislaufproblemen steigert – vermutlich, denn es wird von unzähligen „Hitzetoten“ berichtet. 

Ein anderer Patient mit einem Verband am offenen Fuß sagt den Klinikmitarbeitern, er wolle nicht länger warten, er würde morgen den Hausarzt aufsuchen, der auch Chirurg wäre. Der sollte die Glassplitter aus der Wunde an der Fußsohle entfernen und dann versorgen. Die Mitarbeiter der Notaufnahme weisen auf das Risiko einer septischen Infektion hin – auf eigenes Risiko verlässt der Fußverletzte humpelnd und vermutlich mit Schmerzen die Notaufnahme.

Als Begleiter fragen wir eine Mitarbeiterin, wo sich unser Angehöriger befindet. Der Name ist im PC-System zunächst nicht zu finden. Es heißt – „Bitte warten Sie…“ Ein Arzt kommt und möchte ein Privatrezept mit einem Medikament ausgedruckt haben – nein, den Namen seiner Patientin weiß er nicht, gemeinsam werden die Namen der weiblichen Patienten überfolgen – dann ein Treffer.  In der Fernsehserie mit der Sachsenklinik wird jedem Patienten ein höchster Grad an individueller Zuwendung gegeben – leider entspricht dieses Bild nicht der Realität der oft massenhaften Patientenabfertigung.

Auf dem Flur liegen oder sitzen Patienten mit kleineren Verletzungen, die auch schmerzhaft sein dürften. Sie müssen teilweise sehr lange, vielleicht sogar unverhältnismäßig lange warten. 

Die Zahl der Notaufnahmen in der Region ist nach der Schließung mehrerer Akutkrankenhäuser in der Region geringer. Bei den verbliebenen wurden die personellen und räumlichen Kapazitäten offensichtlich nicht aufgestockt. 

Eine Evaluierung dahingehend – Aufnahmezeit des jeweiligen Patienten, Behandlungsbeginn in der Notaufnahme und deren Beendigung werden statistisch wohl nicht erfasst. 

Natürlich müssen bei einem Massenanfall von Verletzten oder Kranken Wartezeiten einkalkuliert werden – aber wenn die Wartezeiten eine zumutbare Zeitspanne übersteigen, dann dürften die Kapazitäten zu gering sein.

Beim Rettungsdienst gibt es klare zeitliche Vorgaben, in welcher Regelzeit ein Unfall- bzw. Einsatzort erreicht werden muss. Die weiteren Anfahrten zu den entfernten Notaufnahmen bindet Einsatzfahrzeuge und zusätzliche Notfall- bzw. Rettungssanitäter, folglich zusätzliche Kosten.

Vor der Notaufnahme werden die RTW nach der Patientenübergabe gesäubert und die Liegeflächen und alle Geräte desinfiziert. Nach dieser Arbeit melden sich die Fahrzeuge der unterschiedlichen Rettungsdienste, des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Osnabrück, die Berufsfeuerwehr Osnabrück, Johanniter- und Malteser-Rettungsdienst und einige private Leistungsanbieter wieder einsatzbereit.

Die Zentrale-Notaufnahme oftmals an den Grenzen ihrer Kapazität? Die Rettungsdienste machen ihren Job und die Rettungskette endet für sie mit der Übergabe der Patienten an die Notaufnahme. Auch mit Taxen und Mietwagen sowie mit Privatfahrzeugen werden Patienten angefahren, die nicht auf den Liegend-Transport angewiesen sind, aber deutlich weniger als früher?

Der Anspruch der DRK-Mitglieder nach den sieben Grundsätzen ist, Menschen in Not ohne Ansehen der Person zu helfen. Der hauptamtliche Rettungsdienst arbeitet nach dem Prinzip der Gleichbehandlung. Jedem Opfer wird mit gleicher Achtsamkeit Hilfe geleistet, der Versicherungsstatus, Privat- oder Kassenpatient, und Promi-Bonus kann es im RTW-Einsatz kaum geben.  Kinder werden generell sehr behutsam und einfühlsam versorgt.

Auch in der Notaufnahme werden die eingelieferten Fälle nach der Triage nach medizinischer Dringlichkeit „abgearbeitet“. Ob es hier für Promis und Spitzenpolitiker bereits eine Vorzugsbehandlung gibt und wie, dazu gibt es keine Statistik. Unwahrscheinlich dürfte trotzdem sein, dass z.B. der Landesgesundheits-Minister fünf Stunden mit einer nicht lebensbedrohenden Schnittwunde fünf Stunden auf einer Liege im Flur der Notaufnahme sichtbar auf seine Behandlung wartet – oder?

Abgeordnete aus Bundestag und Landtagen genießen viele Privilegien, als „Volksvertreter“ reisen und fliegen sie kostenfrei in der 1. Klasse mit Sitzreservierung, mit Geld- und sozialen Netzwerken sichern sich die meisten Politiker eine Vorzugsbehandlung. Dies ist auch nicht verwerflich, sondern seit ewigen Zeiten ein Prinzip.

Geradezu perfektionistisch war die Vorzugsbehandlung für Parteimitglieder in der ehemaligen DDR (PG der SED). Sie wohnten geschlossen in Wandlitz, fuhren statt Trabis westliche PKW der Luxusklasse, hatten immer Vorrang in den Polikliniken und Kliniken. Dieses Wertesystem wurde hier mit dem Begriff „Bonzen“ negativ bedacht. Die „Partei-Bonzen“ nutzen Macht und Funktion für den eigenen Vorteil aus; selbige waren dem „einfachen Volk“ verwehrt. Nur floskelhaft wurde in Sonntagsreden Sympathie und Verständnis vorgetäuscht. Dort soll der Rettungswagen immer zuerst den Parteigenossen in die Klinik befördert haben, während die lebensbedrohlichen Fälle dann länger mit höherem Risiko warten mussten. Ein solches System wurde im Westen als unsozial abgelehnt, aber auch hier ist die Versuchung groß, dass sich „Funktionäre“ aller Sparten Vorteile aneignen, die anderen verwehrt bleiben.

Der Ordnungsdienst der Stadt kontrolliert mehrmals täglich, viele Parkverstöße werden mit einem Verwarngeld bis zu 50 EUR geahndet. Nur wie soll ein Patient oder ein begleitender Angehöriger nach der Mindestparkdauer von 1 Stunde erneut einen Parkschein für 3 EUR lösen, angenommen das Parkhaus ist überfüllt.

Da die Patientenanreise durch fehlende oder überteuerte Parkmöglichkeiten stark eingeschränkt wird, nutzen offenkundig viele Patienten für die Anfahrt den RTW. In der Rettungsleitstelle kann der RTW unter Umständen nicht verweigert werden, wenn von Betroffenen Krankheitsbilder geschildert werden, die telefonisch nicht verifiziert werden können. Wird der RTW-Einsatz verweigert und kommt es zu einem Lebensrisiko, könnte ein Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung im Amt folgen. Alle Gespräche der Leitstelle werden aufgezeichnet, sind später beweisbar. Insofern ein schwieriger Abwägungsprozess im Graubereich.

Auf jeden Fall, die äußerst schlechte Erreichbarkeit für private Anfahrten und der prekären Parksituation am MHO führt nach Einschätzung von Experten dazu, dass vermehrt Rettungsmittel angefordert werden. Diese nicht unerheblichen Mehrkosten tragen die Krankenversicherungen. Die Schließung regionaler Notaufnahmen könnte so auf der anderen Seite zu deutlichen Kostensteigerungen führen. Reformpläne werden nach dem Krankenhaus-Finanzierungsgesetz unausgegoren umgesetzt, evaluiert wird selten. So werden zwar einige Krankenhaus-Betten gespart, andererseits steigen die Kosten für die Krankenversicherer – jeweils zum Nachteil der Versicherten, die heute oder morgen selbst auf die Notaufnahme angewiesen sind, die dann wahrscheinlich auch stark überlastet ist.

Ist das Gesundheitssystem unterfinanziert? Die Kritik und massiver Vertrauensverlust an den Parteien der Mitte wächst drastisch an. Die Infrastruktur ist teilweise marode, Schulden werden aufgetürmt und dann berichten die Medien, dass das Programm der vorherigen Ampelregierung für Gender- und feministische Strukturmaßnahmen z.B. in Indonesien mit 612. 000 000 EUR von der jetzigen Regierung weitgehend fortgesetzt wird, obwohl angekündigt worden war, das Programm aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage zu stoppen. Dies spielt den Populisten und Radikalen in die Hände – bedauerlich. Ein Umdenken ist notwendig. Notaufnahmen sind auch auf dem Lande in jeweils angemessener Entfernung notwendig; sie sind kein Luxus in einem Sozialstaat. Der Fehlbetrag für die Klinik in Ostercappeln angeblich nur 1 Mio-EUR. An anderer Stelle werden die Steuermittel stattdessen in „Gutsherrn-Art“ ausgegeben, die die Mehrheit der Wähler vermutlich ablehnt. Die fehlenden oder überforderten Notaufnahmen sollten den Verantwortungsträgern Mahnung und Verpflichtung sein.

Text und Fotos: Eckhard Grönemeyer