Der Arbeitskreis unter Führung von Anke Hamker und Silke Depker hatte monatelang recherchiert und vorbereitet. Der Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. wurde überzeugt, das Gräfin Else (1834 -1919) als örtliche Wohltäterin zu ihrer Zeit, unterstützt von ihrem Ehemann, Friedrich-Wilhelm Graf von dem Bussche-Ippenburg, überragend soziale Leistungen erbrachte, die posthum mit der Anerkennung als „FrauenOrt“ verdiente. Die Stele am DRK-Sozialzentrum wurde vom Niedersächsischen Minister für Gesundheit und Soziales, Andreas Phillipi, im Beisein von Landrätin Anna Kebschull und DRK-Führungskräften enthüllt. Am Eingang zum Sozialzentrum wurde eine neue Fahne mit dem Abbild von Gräfin Else, der Wohltäterin mit Vorbild-Charakter gehißt.
Über 100 Gäste waren in das DRK-Sozialzentrum Wittlage zum Empfang gekommen.
Gräfin Else wird als eine starke Frau mit Haltung beschrieben, die mit ihrem Sozialverein den Grundstein für das Rote Kreuz vor gut 150 Jahren im Wittlager Land legte. Die Gräfin, eine geborene von Arnim, die in einer Aristokraten-Familie aufwuchs, erhielt eine gehobene Bildung. Ihre gesellschaftliche Stellung verstand sie nicht als Privileg, sondern als Auftrag, ihre Stimme für Menschen in Not zu erheben und nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten zu helfen. In ihren jungen Jahren sah sie die Not der Kriegsinvaliden, die mit amputierten Gliedmaßen aus den Kriegen zurückkehrten, aber ihre Familien kaum mehr versorgen konnten. Staatliche Hilfen gab es kaum, keine Krankenversicherung oder Invalidenrenten. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 stifteten die Eheleute von dem Bussche-Ippenburg ein großes Grundstück und 1878 konnte das damalige „Pflegehaus“ die Betreuungsarbeit für arme, alte und gebrechliche Menschen aufnehmen. Damals keine Selbstverständlichkeit. Auch Wöchnerinnen und Kinder in Not wurden versorgt. Gräfin Else gründete einen Frauenverein und organisierte weitere Hilfsangebote. Sie war kraft ihrer gesellschaftlichen Stellung als Gräfin akzeptiert, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und dabei andere Frauen aus der bürgerlichen Gesellschaft einzubeziehen. Hierbei ist festzuhalten, dass es damals das Selbstbestimmungsrecht der Frauen noch nicht gab, die Gleichberechtigung und soziale Teilhabe der Frauen war erst viele Jahrzehnte später erkämpft. Gräfin Else war auf diesem gesellschaftlichen Feld eine Vorkämpferin für die Teilhabe der Frauen.
Mit treffenden Worten würdigte Minister Phillipi die Lebensgeschichte der Gräfin Else zu ihrer Zeit, die damals einen Frauenverein gründete als Vorläufer für das Rote Kreuz. Eine vorbildliche Rolle, die bis in die heutige Zeit wirke. Das DRK leiste ganz im Sinne von Gräfin Else soziale Dienstleistungen im DRK-Sozialzentrum, etwa wöchentlich die Wittlager Mahlzeit, wo auch Menschen in einer Notlage mit warmen Essen versorgt würden und die DRK-Kleiderkammer. Am Beispiel von Gräfin Else zeige sich, dass der Einfluss von Frauen in verantwortlicher Stellung in Politik und Gesellschaft positiv prägend sein kann. Minister Phillipi konnte dann mit Landrätin Anna Kebschull, Bürgermeister Timo Natemeyer, dem Arbeitskreis und Führungskräften des DRK-Kreisverbandes die Stele am DRK-Sozialzentrum enthüllen.
Landrätin Anna Kebschull vom Landkreis Osnabrück war mit der lokalen Geschichte von Gräfin Else gut vertraut. Sie konnte mit Freifrau Viktoria von dem Bussche-Ippenburg in der Veranstaltung eine Persönlichkeit begrüßen, die ganz im Sinne ihrer Vorfahrin sozial in die Gesellschaft wirkt, die „Offene Kommune“ oder die Ausrichtung der Landesgartenschau in Bad Essen, hier auf dem weitläufigen Gelände von Schloss Ippenburg sowie den folgenden halbjährigen Gartenfesten. Die Landrätin dankte dem Organisationsteam, dass mit Unterstützung durch die Gemeinde Bad Essen und besonders durch Bürgermeister Timo Natemeyer im Heilbad am Wiehengebirge den 3. „FrauenOrt“ im Landkreis Osnabrück geschaffen hätten. Die zeitgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem Wirken von Gräfin Else sei lohnend und prägend bis in die heutige Zeit. Das DRK, und hier durch Frauen und Männer als gleichberechtigte Helferinnen und Helfer leisteten großartige Dienste im Ehrenamt. Der Landkreis Osnabrück sei für dieses Engagement sehr dankbar und leiste, wenn immer möglich, unterstützende Hilfe.
Ein stimmungsvoller Höhepunkt: Gemeinsam gesungen mit Begleitung an der Harfe „Für mich soll`s rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen, die Welt sollte sich umgestalten – und ihre Sorgen für sich behalten… und später, sagte ich noch: Ich möchte verstehen, viel sehen, erfahren, bewahren, und später, sagte ich noch: Ich möchte nicht allein sein und doch frei sein….“
Anschließend wurden alle Mitglieder des Arbeitskreises „FrauenOrt“ Bad Essen namentlich vorgestellt, jeder erhielt als Dankeschön eine „rote Rose“ geschenkt.
Zum Abschluss gab es wie sonst bei der Wittlager Mahlzeit in Terrinen einen Eintopf, diesmal frische Kartoffelsuppe, vegetarisch oder auch mit Fleischeinlage und als Dessert gab es Blechkuchen a la Gräfin Else, gesponsert von der örtlichen Bäckerei Titgemeyer in Bad Essen.
Text und Fotos: Eckhard Grönemeyer













